1. Ein Mythos lebt weiter und wird in Blaupausen verewigt

Einleitung und Erzählung von Rick Sternbach:
» Die ENTERPRISE ist tot. Lang lebe die ENTERPRISE. Während wir mit einiger Trauer diese Sammlung von Zeichnungen präsentieren - Blaupausen eines Raumschiffes, das niemals wieder mit Warpgeschwindigkeit von Stern zu Stern fliegen wird - können wir zumindest einigen Trost in der Vorstellung finden, dass das Galaxy-Klasse-Schiff U.S.S. ENTERPRISE in der Phantasie von etlichen Zuschauern von Star Trek: Das nächste Jahrhundert weiterleben wird.
Da ist noch eine Menge eingeschlossen in dieser erfundenen Tritaniumhülle, das noch entdeckt werden kann, in diesem Schiff, das uns auf seinen Reisen mitnehmen kann, die noch nicht stattfanden, befehligt von einer Crew, die noch nicht eingeteilt wurde, alles auf Abenteuern, die pfiffig in die Zeit zwischen dem Jungfernflug im Jahre 2363 [TNG: "Der Mächtige"] und ihrem frühzeitigen Ende im Jahre 2371 ["Star Trek - Treffen der Generationen"] hinein gequetscht werden müssen.
Die U.S.S. ENTERPRISE, die in unseren Blaupausen dargestellt ist, hat ihren Platz in der Geschichte als ein mächtiges Schlachtschiff des Kommandos der Sternenflotte und als die größte technische Errungenschaft der Vereinigten Föderation der Planeten. Dieser Status wurde bisher von fünf anderen stolzen Raumschiffen gehalten, von denen jedes den Namen ENTERPRISE trug, und in jedes war für immer die Registrierungsnummer NCC-1701 eingraviert. Die lange Ge-schichte von Schiffen mit dem Namen ENTERPRISE, sowohl auf dem Meer als auch im interstellaren Raum, ist ein wichtiger Bestandteil eines größeren, logisch erdachten und sehr detaillierten, fiktionalen Universums, das vor... 30 Jahren das Licht der Welt erblickte. Star Trek - Fans haben begonnen, Zeichnungen von diesem feinsten Schiff zu machen, sie zu modifizieren und auch damit, neue zu erfinden. Viele dieser Leute haben uns gestattet, einen Blick auf ihre Zeichnungen zu werfen, auf ihre Visionen von Schiffen. (Offensichtlich sind die zukünftigen Raumschiffingenieure schon schwer an der Arbeit).

Die Zugänglichkeit dieses Universums hat in vielen ein reges Interesse an den Techniken des fiktionalen Raumfluges geweckt, und es ist nicht das erstemal, dass ein Raumschiff säuberlich in leicht betrachtbare Schichten zerschnitten wurde, noch wird es das letztemal sein. Es sollte jedoch festgehalten werden, dass unsere Blaupausen von Informationen profitieren, die direkt aus den Archiven der Produktionsbüros von Star Trek: Das nächste Jahrhundert kommen.

Es ist die Absicht ... , einen möglichen Innenaufbau der ENTERPRISE zu zeigen [beispielsweise wie die Quatiere aufgebaut und eingerichtet sind]. Das Wort "möglich" ist von größer Bedeutung, denn es lässt der Phantasie der Leser eine Menge Raum. Die ENTERPRISE ist, und wird es auch immer sein, ein Raumschiff der Phantasie. Sie wird für jede Person eine andere Bedeutung haben, die durch ihre Korridore geht und ihre Türen öffnet. Die Blaupausen bieten Einblick in die meisten interessanten Teile des Schiffs. (...) «

2. Ein komplettes virtuelles Raumschiff für die Fans

Auf die Frage, ob es irgenwann möglich ist, ein komplettes Star Trek - Raumschiff (innen, wie auch außen) auf einen zukünftigen Heimcomputer ins Leben rufen zu können, antwortete Michael Okuda (Mitarbeiter beim Star Trek - Raumschiffdesign), dass wir gar nicht mehr weit davon entfernt sind. Er sagte, dass das "Star Trek: The next Generation - Interactive Manual" ein kleiner Schritt in diese Richtung war und die Blueprints bereits den nächsten Schritt bilden.

Anmerkung: Das "Star Trek: The next Generation - Interactive Manual" ist 1994 als CD-ROM bei Simon & Schuster Interaktive im Auftrag von Paramount Pictures erschienen. Die deutsche Vollversion erschien 1995 bei der Firma "Markt & Technik Buch- und Software-Verlag GmbH in München". Ob man diese CD allerdings noch bestellen kann, ist nicht bekannt.

3. Die Erstellung der Blaupausen in einzelnen Arbeitsschritten

» Selbst in diesem computerisierten Zeitalter benutzen wir einige traditionelle Techniken, um diese ENTERPRISE-Blaupausen zu erstellen. Unsere Recherche begann mit den Plänen für die Sets und mit den Raumschiffzeichnungen, die sich über die Laufzeit von Star Trek: Das nächste Jahrhundert angesammelt hatten. Da hier [in den Hallen der Paramount-Studios] neue Sets erstellt worden waren, befanden sich die Pläne und die perspektivischen Zeichnungen im Archiv der künstlerischen Abteilung von Star Trek: Das nächste Jahrhundert.
Außenaufnahmen und Zeichnungen des Schiffes von seiner Geburt im Jahr 1987 bis zu seinem Absturz im Jahr 1994 wurden zusammengetragen, um die interessanten Veränderungen zu studieren. Die passenden Methoden zum Zeichnen und Reproduzieren mussten zeitlich aufeinander abgestimmt werden, um von jeder Methode die besten Eigenschaften ausnutzen zu können.
Blaupausen von Schiffen und Anschichten von Flugzeugen ist traditionell immer mit Tinte gezeichnet worden, um schärfere Linien zu erzeugen Hochauflösende Computergraphiken hätten dies auch geschafft, aber mit der zur Verfügung stehenden Computerleistung konnten die 42 Decks [mit all den Quartieren, Räumen, Einrichtungen, usw.] nicht in der vorgegebenen Zeit fertig gestellt werden. Der Computer, ein Macintosh Quadra 800 mit Adobe Illustrator, bekam die Aufgabe, die sich häufig wieder-holenden Elemente, wie Tausende von Kabinen, Labors, Konsolen und Ausrüstungsgegen-stände innerhalb eines Schiffs zu generieren. Todd Guenther nahm die Entwürfe für die Untertassen-Sektiondecks in Angriff, ich nahm die Maschinensektion und Jeanne Rogers zog die Bleistiftzeich-nungen mit Tusche nach. Dan holte seine vorherigen Arbeiten über die Außenhülle für Die Technik der USS Enterprise [erschienen beim HEEL-Verlag, Königswinter] hervor, die damals schon mit Tusche gemacht worden waren, aber musste sie nun in den Computer übertragen, um mehr Details unterbringen zu können. In seinem Fall hatten die Zeichnungen eine geringere Detaildichte als die Decks, und so war hier der Computer das wichtigste Werkzeug bei dieser Arbeit.

Nachdem festgelegt war, dass im gewählten Maß- stab von 0.02 Inches einem Fuß in der Endbear-beitung entsprechen sollten, um dann im Druck nochmal um 66,66% reduziert zu werden, be-gannen die Bleistiftarbeiten. Jedes Deck musste von der Form her zur Außenhülle passen und Dinge beinhalten, die man auf der Oberfläche sah, etwa wie die Rettungsboote, die Phaseremitter und die Fenster. Große Strukturrahmen mussten entworfen werden, wobei dann die Arbeits- und Wohnräume in diese Rahmen eingepasste werden mussten. Die Turboschachtlifte wurden layoutet und zwischen den Decks koordiniert werden.

Jeffriesröhren wurden auf ähnlicher Weise eingeplant. Detailfragen wurden enorm wichtig: Wo sind Captain Picards Räume? Wo ist Datas Quartier? Die Krankenstation? Wie waren diese eingerichtet (z.B. Badewanne, Dusche, Toilette, Bett, Schränke, Regale, Sessel, Tische, Equipment, usw.) und wie waren die einzelnen Zimmer? Wie kommen die Photonentorpedos von ihren Magazinen zu den Abschussvorrichtungen? Wie kriegen wir Zugriff auf die Phaser? Können wir Deuterium durch die Antimaterie-Generatoren leiten? Obwohl viele Fragen von den Produzenten und Autoren von Star Trek: Das nächste Jahrhundert beantwortet waren, gab es noch genug unbekannte Dinge, die geklärt werden mussten. Wie bereits erwähnt wurde, ist ein großer Teil des Schiffs noch nicht definitiv beschrieben und somit offen für spätere Ergänzungen (...).

Eine Zeichnung zu tuschen bedeutet, der Bleistiftarbeit nachzufahren, auf einem Untergrund aus einem dimensionalen stabilen Plastik namens Mylar, das auf einer Seite speziell beschichtet ist, um die Tinte und die nichtproduzierenden blauen Bleistiftlinien anzunehmen. Technische Füller, die mit schwarzen Tuschepatronen geladen sind, gibt es in verschiedenen Stärken [z.B. 0,13 mm; 0,18 mm; 0,25 mm; 0,35 mm; 0,5 mm; 0,7 mm; usw.]. Jedes Element des Schiffs, von den Korridorwänden bis zu den Impulseinspritzdüsen, bekam eine besondere Liniendicke oder -gewicht. Umrisse der Außen-hülle etwa wurden mit einem sehr hohen Gewicht gezeichnet, während Innenwände und Maschinen-teile zunehmend geringeres Liniengewicht hatten. Auf Plastikuntergründen zu tuschen, kann zu überaus unangenehmen Unfällen führen und ist darum nichts für die, die ein schwaches Künstlerherz haben. Lecks, Verdickungen, Schmieren und Tusche, die unter Zeichenwerkzeuge läuft, kann jeden zur Verzweiflung treiben. Übung, auf der anderen Seite, führt zu atemberaubenden Ergebnissen. Die Decks wurden beispielsweise nur halb gezeichnet, um Zeit zu sparen, und dann fotografisch gespiegelt, um eine komplette Einheit zu bilden.
Während die Bleistiftdecks getuscht wurden, wurden die sich wiederholenden Formen im Computer in grafische Stempel umgewandelt, die man auch als INTs kennt. Diese Stempel erlauben es den Künstlern, schnelle Reparaturen und Änderungen vorzunehmen, oftmals schneller, als durch das Auskratzen einer getuschten Linie mit einer Rasierklinge oder das Abschneiden eines Fotostats. Stempel wurden auch für alle einzigartigen Räume des Schiffs angefertigt und für das Mobilar und natürlich für spezifische Ausrüstungsgegenstände des Raumschiffs.

Nachdem die unvermeidlichen Unsauberkeiten mit undurchsichtiger weißer Farbe überdeckt wurden, mit einem feinem Pinsel und einigem Tuschen in letzter Minute, wurden für die letzten Schritte Fotostats angefertigt, um Spiegelkopien der Deckhälften zu machen, um dann diese Decks auf ihre originalgroßen Grenzblätter zu bringen. Schließlich wurden Beschriftungen für alle wichtigen Teile auf separate Auflegefolien aufgetragen.«

 

QUELLE: Aus dem Begleitheft zu den "Star Trek: The next Generation - Blueprints" von Rick Sternbach, 1996.

Anmerkung:
Die "Star Trek: The next Generation - Blueprints; Die Original-Konstruktionszeichnugen der USS Enterprise NCC-1701-D von Rick Sternbach, Todd Guenther, Jeanne L. Rogers und Dan Gauthier" sind 1996 von "Pocket Books, A Division of Simon & Schuster Inc., New York (USA)" im Auftrag von Paramount Pictures erschienen. Deutsche Ausgabe erschienen 1997 beim "HEEL-Verlag, Königswinter".

 

(© by K. Breit, 2001)

Letztes Update: 21.03.2004

 
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