Einleitung: Pannen und Fehler, die sich während und nach den Dreharbeiten einschlichen

"Der Weltraum, unendliche Weiten,... unendliche Fehler". So könnte der berühmteste Satz der Science-Fiction-Saga vermutlich weitergeführt werden. Nicht nur auf die fast 40-jährige Geschichte von "Star Trek" und das Erbe von Gene Roddenberry können die Produzenten mit Stolz zurück-blicken. Auch auf eine nicht ganz unbeträchtliche Anzahl eingeschlichener Fehler, die während und nach den Dreharbeiten zu einem Kinofilm oder zu einer Episode entstanden sind.

In diesem Abschnitt wollen wir die Fehler und Pannen genauer unter die Lupe nehmen, die - wie bereits erwähnt - mit den Dreharbeiten zusammenhängen. Speziell die Kontinuitäts- und anderen Fehler des "Star Trek" - Universums gehören in diesem Fall in einen anderen Bereich.
Da die Menge der sich in "Star Trek" ereigneten Fehler und Pannen recht groß ist, möchten wir jedoch nur einige Beispiele aufführen und genauer behandeln.


01. Unbeabsichtigte bzw. übersehene Fehler und Pannen

Stellt man die Anzahl der unbeabsichtigten Fehler, die während und nach den Dreharbeiten zu einer "Star Trek" - Produktion gemacht wurden, den beabsichtigten bzw. von den Autoren und Regisseuren bewusst herbeigeführten "Pannen" gegenüber, wird recht schnell deutlich, dass ersteres stark überwiegt.
Fasst man die Zahl der einzelnen Episoden und Filme zusammen, so sind durchschnittlich in jeder zweiten bis dritten Episode und in jedem Leinwandabenteuer Fehler zu verzeichnen; wobei die Anzahl selbst unterschiedlich ist.
Alleine im zehnten Kinofilm "Star Trek: Nemesis" seien mehr als 50 Unstimmigkeiten und Pannen gezählt worden. Für einen einzigen Film ist das eine recht enorme Summe.

Bleiben wir nun zunächst einmal bei den Kinofilmen. Wie bereits erwähnt gibt es laut der Statistik in jedem Leinwandabenteuer Fehler und Pannen. Die ersten zwei Fehler, die hier auf der rechten Seite abgebildet sind, stammen aus "Star Trek: Der erste Kontakt". Der erste entstand während der Szene auf bzw. am Hauptdeflektor der Enterprise-E. Captain Picard, Worf und Lieutenant Hawk wollten die Deflektorscheibe über die drei Befehls-konsolen vom Schiff abtrennen, um so zu verhindern, dass die Borg mit ihrer errichteten Parabolantenne Verstärkung herbeirufen konnten.
Als Lieutenant Hawk von den Drohnen assimiliert wurde übernahm Picard dessen Befehlskonsole. Damit die Klammern an der Deflektorscheibe vom Computer gelöst werden können, muss zunächst über das Display der Griff für die Schalterumstellung (von der horizontalen in die vertikale Stellung) freigegeben werden. Für einen ganz kurzen Moment ist der rote Griff jedoch bereits in vertikaler Stellung (siehe Bild 01a). Im nächsten Augenblick jedoch steht er wieder in horizontaler Stellung, bevor Picard diesen nach der Freigabe um 90 Grad nach links dreht (siehe Bild 01b). Aufgrund dieses Fehlers ist wohl anzunehmen, dass diese Szene mehrere Male gedreht wurde, wobei man irgendwann vergaß, den Griff wieder in seine Ausgangsposition zu drehen.

Auch die Szene zwischen Picard und der aus dem 21. Jahrhundert stammenden Lily Sloane im Konferenzraum der Enterprise-E muss mehrere Male gedreht worden sein. Denn genau hier hat sich der nächste Fehler einge-schlichen.
Während des Streitgespräches zwischen den beiden Figuren schlägt der Captain mit seinem Phaser-gewehr aus Wut eine Scheibe der Glasvitrine ein, die daraufhin zu Bruch geht. Während im ersten Moment die Modelle der Enterprise-C und Enterprise-D unbeschädigt bleiben (siehe Bild 02a), liegen sie im nächsten beschädigt auf dem Boden; von der NCC-1701-C das Diskusssegment, von der NCC-1701-D die Maschinensektion (siehe Bild 02b).

Nicht nur visuelle Pannen haben sich in "Star Trek: Der erste Kontakt" eingeschlichen, auch verbale. So kommt es innerhalb des Films zu Widersprüchen bei der Angabe zur Deckanzahl der Enterprise-E. Während Lieutenant Daniels auf der Brücke die Aussage macht, die Borg hätten die Decks 28 bis 11 unter ihre Kontrolle gebracht (sowohl in der deutsch-sprachigen, als auch in der originalen Fassung), antwortet Picard hingegen später auf Lilys Frage, wie groß den das Schiff sei, mit 24 Decks. Diese Zahl ist von Paramount offiziell bestätigt worden.
Dennoch scheinen die Autoren scheinbar anderer Meinung zu sein. Anders lässt es sich wohl sonst kaum erklären, weshalb die Enterprise-E in "Nemesis" wieder mehr als 24 Decks, nämlich mindestens 29, zu haben scheint.

01a: Der Griff kurz in vertikaler Schalterstellung
01b: Nach Freigabe plötzlich wieder horizontal
02a: Die "Enterprise-D" ist erst unbeschädigt,...
02b: ...im nächsten Moment jedoch kaputt

Einer der Fehler in "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" wird durch den Einschlag eines kling-onischen Torpedos verursacht. In einer der Weltraum-Kampfszenen des Films feuert General Chang mit seinem Bird-of-Prey einen Torpedo auf die Enterprise-A ab, der das Diskusssegment von unten nach oben durchschlägt (siehe Bild 03b). Doch was ist das? Das Geschoss muss scheinbar plötz-lich auf seinem Weg durch die Untertasse die Richtung gewechselt haben. Denn als es in der selben Szene den Speiseraum durchquert, fliegt es nicht von unten nach oben, sondern von links nach rechts durch das Bild. Oder ist der Raum in Wirklichkeit gar nicht in einer horizontalen Ebene, sondern in einer vertikalen? Zudem scheint er auch plötzlich innerhalb des Schiffs zu liegen und nicht am Rand der Untertasse, obwohl der Raum Außenfenster hatte. Desweiteren kann man für einen ganz kurzen Augenblick das vermeintliche Geschoss sehen (im roten Kreis auf Bild 03a); ebenso wie das gespannte Seil, an dem der "Torpedo" in die rechte Richtung gezogen wird.

Weitere Fehler im letzten Abenteuer der Original-Crew sind u.a.:
1. Auf den Konsolen im Maschinenraum der Enterprise-A kann man das moderne LCARS aus der Serie "Star Trek: The Next Generation" erkennen, während alle anderen Displayanzeigen auf das LCARS des späten 23. Jahrhunderts umgestellt wurden.
Und 2. Während des Verhörs der Vulkanierin Valeris auf der Hauptbrück gibt diese einen Satz wieder, den Kirk zu Spock sagte, als beide am Anfang des Films alleine im Sitzungssaal des Haupt-quartieres waren: "Lassen wir sie (die Klingonen) eben sterben." Doch diese Aussage kann Valeris normalerweise gar nicht mitbekommen haben.

Wie bereits erwähnt ist die Menge der unbeabsichtigten Fehler imens. Daher können wir uns hier auf dieser Seite auch nicht mit allen befassen; picken uns hingegen nur einige Beispiele heraus. Deshalb wenden wir uns nun von den Kinofilmen ab und nehmen zwei der fünf Serien genauer in Augenschein.

In der zweiten Serie (TNG) tritt mit Beginn der sechsten Staffel eine Veränderung auf dem Raumschiff Enterprise-D ein. Denn während bis zu diesem Jahr im Hauptmaschi-nenraum direkt neben dem so genannten "Billiard-Tisch" zwei Turboliftschächte verliefen (siehe Bild 05a aus "Noch einmal Q"), waren plötzlich ab 2369 keine Schächte mehr, sondern Zugänge zu den Jeffries-Röhren; in Richtung der Warpgondelpylonen (siehe Bild 05b aus "Datas Hypo-these") vorhanden.
Da die offiziellen Blueprints der Enterprise-D auf dem Schiffsstand von 2371 ("Star Trek: Treffen der Genera-tionen") basieren, kann man diese Jeffries-Röhren auf dem Grundriss zu Deck 36 genau erkennen. Zudem sind die Röhrenverläufe relativ glaubwürdig dargestellt.
Einen Grund innerhalb des ST-Universums für diesen "Umbau" zu suchen liegt eigentlich fern, denn das hätte für die gesamte Maschinensektion einen enormen Arbeits- und Konstruktionsaufwand bedeutet: Entfernung des alten Schachtsystems, Einziehen neuer Wände, Decken und Leitungen, Anschluss an bereits mögliche vorhandene Röhren, sowie Korridorumbau bei neuen Röhrenschnitt-punkten. In der Serie selbst wurde zudem nie einen Kommentar über diese Veränderung verloren.

Allerdings gab es innerhalb der Enterprise-D im Verlauf der Serie mehrere Umbauten, die u.a. deshalb vorgenommen wurden, weil sie realistisch gesehen in der ursprünglichen Version keinen Sinn ergaben. Denn genau aus diesem Grund wurde der Zugang zum Konferenzraum zwischen der ersten und zweiten Staffel "korrigiert". Wer genau hin-sieht: Wenn sich in Jahr 1 von TNG die Türen des Kon-ferenzraums öffnen, ist dahinter ein querverlaufender, breiter Schiffskorridor zu sehen. Jener Raum befindet sich jedoch im hinteren Abschnitt des Hauptbrückenmoduls (die sieben Fenster ermöglichen den Blick auf das Welt-all). Genau genommen müsste also dieser Korridor direkt in den Weltraum führen.
Wie bereits erwähnt ersetzte man vor Beginn der zweiten Staffel diesen Korridor durch einen nach rechts (bzw. auf der anderen Seite des Konferenzraum nach links) ab-knickenden, schmalen Zugang zur Hauptbrücke, der bis zum Ende bestehen blieb.

Vor allem die kleineren Fehler sind es, die die Mehrzahl der unbeabsichtigten Pannen ausmacht. Darunter fallen beispielsweise:

1. Aufnahme- und Drehrequisiten, die nicht komplett aus dem Bild gerückt wurden (wie in "Die Sorge der Aldeaner"; Stativfuß in einer Turboliftkapsel),
2. Produktionspersonal, dass sich versehentlich bei verschiedenen Kamerapositionen in Setgegenständen spiegelte oder einfach unabsichtlich ins Bild geriet (wie in "Wiedervereinigung"; siehe Bild 06),
3. Windows- bzw. Macintosh-Elemente, die vergessen wurden aus den LCARS-Displays auszublenden (wie in "Der gute Hirte"; siehe Bild 04),
4. alltägliche Gegenstände, die die Schauspieler verge-ssen hatten vor Drehbeginn abzulegen (wie in "Der Ehren-kodex"; Armbanduhr von GatesMcFadden sichtbar),
5. Gegenstände, die ständig ihre Größe oder Form wechselten (wie die Tischkerze während Kirks und Gillians Dinner in "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart"),
6. Setrequisiten, die vom einen auf den anderen Augen-blick plötzlich ihre Position veränderten oder in bestimmten Szenen ganz vergessen wurden (wie in "Der Parasit"; Bashir legt seinen Kommunikator ab, trägt ihn im nächsten Moment jedoch wieder), oder
7. Filmszenen, die einfach für verschiedene Sequenzen gespiegelt wurden, wobei dadurch dann auch Schrift-zeichen seitenverkehrt waren (wie die Registrierung der Original-Enterprise bzw. Enterprise-D).

 

03a: Der vermeintliche, klingonische Torpedo
03b: Durchschlag in vertikaler Richtung
04: Vergessene Menüliste in "Der gute Hirte"
05a: Turbolift bis etwa zur 6. Staffel...
05b: ...dann Jeffries Röhre bis zum Serienfinale
06: "Na, wer spiegelt sich denn da?"

02. Fehler und Pannen, die von Autoren, Regisseuren oder Produzenten beabsichtigt sind

In "Star Trek" gibt es neben den unbeabsichtigten Pannen auch Fehler, die bewusst in eine Episode oder in ein Leinwandabenteuer integriert wurden, weil diese den weiteren Verlauf der Serie bzw. die Handlung des Kinofilms beeinflussen wird und soll. Dazu zählen ebenso "Fehler", die von die Autoren oder Schauspieler absichtlich als Gag eingebaut wurden.
Unter letzteres fällt auch die berühmte Turboschachtszene aus "Star Trek V: Am Rande des Univer-sums" (siehe Bild 07), in der Spock, Kirk und McCoy auf Antigravitationsstiefeln einen rund 80 Deck hohen Liftschacht hinaufschießen. Wer bisweilen geglaubt hatte, dieser "Fehler" sei entstanden, weil man diese Szene rasanter gestalten wollte - mal davon abgesehen, dass die Enterprise-A auch nur 21 Decks hat, die normalerweise von oben nach unten durchnummeriert sind -, hat sich geirrt. Harve Bennett und Ralph Winter (beide die Produzenten von "Star Trek V") wollten mit dieser extra für den Film geschriebenen Szene Gene Roddenberry für seine Arbeit an den 79 Episoden der classischen Serie ehren. Daher hat der Schacht ausnahmsweise auch rund 80 Decks).

Weitere Gags erlaubten sich Denise Crosby, bevor diese TNG verließ und William Shatner (in "Star Trek V"). Denise ließ es sich nicht nehmen, in "Die Seuche" während einer Frachtraumszene zum Abschied in die Kamera zu winken. William Shatner dagegen machte sich den Spaß, sein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Go climb a rock" gut lesbar in die Kamera zu "strecken" (siehe Bild 08). Immerhin zeigt das dem Zuschauer, dass Sternenflotten-offiziere auch nur ganz normale "Menschen" mit Privat-leben sind.

Zum Abschluss dieser Seite wollen wir hier noch einen Fehler nennen, der in "Star Trek: Treffen der Generationen" von Rick Berman und den Drehbuchautoren im Sinne des weiteren Verlaufs von "Star Trek" absichtlich in die Story integriert wurde: Die Zerstörung der Enterprise-D.
Als Berman 1994 den Film produzierte stand fest, dass die "nächste Generation" für mögliche weitere Kinofortsetz-ungen ein neues Schiff speziell für die Leinwandabenteuer benötigte. Also musste die Enterprise-D irgendwie heraus-geschrieben werden. Doch das war zunächst nicht so einfach, da der Gegner, der das in diesem Fall bewerk-stelligen sollte, ein veralteter gegenüber der Galaxy-Klasse nahezu chancenloser klingonischer Bird-of-Prey war. Um aber trotzdem zum "Ziel" zu kommen, entschieden sich die Autoren, dass Dr. Soran Geordi LaForge als Geisel nimmt und dessen VISOR so manipuliert, damit die Duras-Schwestern die Schildfrequenz der Enterprise in Erfahrung bringen können. Somit war es ihnen nun möglich, durch die Schilde des Föderationsschiffs zu feuern, um dann im passenden Moment den "Todesstoß" zu setzen.
Wenn man aber vom ST-Universum ausgeht, wäre dies genau genommen nicht möglich gewesen, da bei den modernen Schiffen des 24. Jahrhunderts die Schild-, Sensor- und Computersysteme so miteinander gekoppelt sind, dass die Schutzschirmfrequenz schon nach dem ersten Durchschuss hätte automatisch anfangen zu rotieren müssen, um weitere solcher schiffsgefährdenden Treffer zu verhindern. Und ein Versagen dieser Schutz-funktionen kann aufgrund der Lage des ersten Treffers ausgeschlossen werden.

07: Der extrem hohe Turboschacht
 
08: Bergsteiger Kirk mit seinem T-Shirt
 
09: Die Enterprise-D und ihr "Todesstoß"
Fotos: siehe Impressum [F03 => Bild 07 und 08] [F07 => alle anderen Fotos]
 

(© by K. Breit, 2003)

Letztes Update: 21.03.2004

 
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