 |
|
|
|
Dass "Star Trek: Deep Space Nine"
im Laufe der sieben Jahre oft einen anderen Weg gegangen ist,
als die anderen Serien, veranschaulichen die zahlreichen Themengebiete
der Serie. Zugleich erlangte der zweiter Ableger des Originals
dadurch eine besondere Stellung im gesamten Franchise, was
es in keiner der bisherigen Serien je so eindringlich und
ausgeprägt gegeben hat.
In dieser Review möchte ich auf die sieben
Jahre von "Star Trek: Deep Space Nine" zurückblicken
und die verschie-denen Themengebiete, mit der sich die Serie
auseinander-gesetzt hat, näher beleuchten.
|
|
|
|
|
Die folgenden Abschnitte gründen trotz meiner neutralen
Sichtweise daher natürlich überwiegend auf meinen eigenen Ansichten
zu der Serie, die nicht unbedingt die Meinung anderer Fans wieder-spiegeln
müssen.
|
| |
|
01. Der Schlüssel zu neuen, unendlichen
Weiten
"Far I dipt into the future, far as human eye could
see; Saw the Vision of the World, and all the won-
der that would be..."
Diese Zeilen von Alfred Lord Tennyson zieren zwar heute
die Widmungstafel des Raumschiffs U.S.S. Voyager, doch sie sind für
die gesamte "Star Trek"-Saga recht zutreffend. Denn sie verkörpern
sprichwörtlich "die Vision der Welt", die Gene Roddenberry
vor nunmehr fast 40 Jahren geschaffen hatte; auch wenn einige der Serien
heute völlig anders gestrickt sein mögen, als das noch mit der
klassischen Serie oder "dem nächsten Jahrhundert" der Fall
gewesen sein mag. Die Grundzüge und die Essenz von "Star Trek"
ist trotz allem bei allen erhalten geblieben.
|
|
Anders als bei den anderen Serien des Franchise
stand bei "Star Trek: Deep Space Nine"
in erster Linie eine Raumstation im Mittelpunkt
des Geschehens. Für die bisherige Erzählweise
von "Star Trek" war das neu, denn man
konnte die Handlung nicht mit jeder Episode an
einem beliebigen Ort der Galaxie tragen. Und vor
allem nach den Abenteuern zweier Raumschiffe namens
"Enterprise" war das eine Herausforderung.
Mit dem Fund eines stabilen Wurmlochs entwickelte sich die
einst von bajoranischen Kriegsgefangenen erbaute cardassianische
Raumstation jedoch zu einem Schlüssel für neue,
unendliche Weiten, die es zu erzählen und zu erforschen
galt.
|
| |
|
02. In den Händen
der Propheten
Keine andere Serie des "Star Trek - Universums"
hat sich je so eingehend mit dem Thema "Glauben und Religion"
beschäftigt, wie "Star Trek: Deep Space Nine".
Einem Thema, dass vor allem in unserer eigenen Gegenwart für
viele Völker und Gemeinschaften eine wichtige Lebens-grundlage
bildet.
In "Star Trek: Deep Space Nine" sind es die Bajoraner,
die tief in ihrer Religiosität verwurzelt sind und die
in der dritten Serie ihren festen Platz im Franchise erhalten
sollten.
Vor allem durch die Hauptfigur
der Kira Nerys wird dieses Thema in "Star
Trek: Deep Space Nine" zu einer Besonder-heit.
Ihr Glaube an die Propheten gerät niemals
ins Wan-ken. War es doch das Einzige, dass ihr
während der schwierigen Zeit der Besetzung
durch die cardassianische Union verhalf und ihr
stets neuen Mut verschaffte.
Konflikte und Drama liegen hier eher bei Benjamin
Sisko, der kurz nach der Übernahme der Station
im Jahre 2369 und der Entdeckung des Wurmlochs
von dessen Be-wohnern als ihren Abgesandten auserkoren
wird.
Für ihn und die Zuschauer sind die Propheten,
wie die Wurmlochwesen in der bajoranischen Religion
bezeichnet werden, jedoch keine Götter, sondern
hochentwickelte Aliens, für deren Existenz
der Faktor Zeit keine Bedeutung hat.
Sisko sträubt sich
zunächst gegen den Titel des Abge-sandten
und der damit verbundenen Verehrung, die ihm durch
das bajoranische Volk entgegengebracht wird. Und
auch das Oberkommando der Sternenflotte ist zunächst
skeptisch gegenüber der Tatsache, dass man
einen ihrer Offiziere nunmehr auch als eine religiöse
Figur betrachtete.
Im Laufe der Zeit aber können wir miterleben,
wie Benjamin Sisko jede Phase seiner Beziehung zum bajoranischen
Volk und dem damit verbundenen wachsenden Glauben durchlebt.
Und nachdem die Wurmlochwesen ihn erneut als ihren Abgesandten
bestätigen, akzeptiert Sisko sein Schicksal als religiöse
Figur. Dadurch wird jedoch auch der Stein für eine tiefgreifendere
Beziehung geschaffen, die oftmals von streitsüchtigem
Verhalten geprägt ist. Sisko streitet mit seinen "Göttern".
Er verhandelt mit ihnen oder erpresst sie sogar. Umgekehrt
wird er aber auch von ihnen manipuliert oder bedrängt;
beispielsweise als sie seine Hochzeit zu Kasidy Yates verhindern
wollen.
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
Die Crew um Commander Sisko, 2369 |
|
|
|
 |
|
|
|
DS9 mit einem Runabout und dem Wurmloch |
|
|
|
 |
|
|
|
Benjamin Sisko, der Abgesandte der
Propheten |
|
|
|
 |
|
|
|
Kira ist zu Beginn gegen die Föderation |
|
|
|
|
|
Mit dem Krieg gegen das Dominion entstehen zusätzlich
ganz neue Glaubenskonflikte. Der mittlerweile zum Captain beförderte
Sisko sieht sich zwischen seinen Rollen als Sternenflottenoffizier und
Abgesandter; eines der wohl ältesten Themen der westlichen Religion:
Erde und Himmel im Konflikt miteinander.
|
| |
|
03. Von Parmaq und anderen Liebschaften
Verliebte sich vor fast 40 Jahren eine der Hauptcharakteren
von "Star Trek", war der Partner bereits nach dem Ende der jeweiligen
Episode schon wieder vergessen. In "Star Trek: The Next Generation"
war das zum Teil nicht anders, jedoch wirkte man diesem "Schema"
mit der Einführung des Liebes-lebens von Keiko und Miles entgegen.
Ansonsten dienten die ungelösten Beziehungen zwischen den einzelnen
Figuren (z.B. Deanna Troi und Will Riker oder Christine Chapel und Spock)
überwiegend als Facetten ihrer Persönlichkeit, die man nur gelegentlich
in den Vordergrund gerückt hatte.
In "Star Trek: Deep Space Nine" dagegen
widmete man sich intensiver diesem Thema. So wurde das Eheleben
der O'Briens zu einem festen Thema der Serie, bei dem der
Zuschauer nicht selten die ver-schiedensten, alltäglichen
Probleme miterleben konnte und wie sie von den einzelnen Teilnehmern
bewältigt wurden: beispielsweise einen Ehestreit, die
Unzufriedenheit eines der beiden Partner, Keikos Frust über
ihre anfängliche
Nutzlosigkeit an Bord der Station, Miles' Bedauern über
die wochen- oder monatelangen botanischen Expeditionen seiner
Frau, die Beziehung zu Kira, als diese zur Ersatzmutter für
Kirayoshi wird, die Belastung durch den Krieg oder die ergreifenden
Entschei-dungen, als Molly durch ein Zeittor fällt und
als 18-jährige zurückkehrt.
|
|
Daneben gab es die Liebesaffären von Leeta und
Rom und von Jadzia und Worf. Beide Paare heirateten im Verlauf der
Serie, doch ihre Beziehungen könnten nicht unterschied-licher
sein.
Während Leeta sich mit Rom über die kulturelle Praktiken
der Ferengi streiten, gerät Jadzia mit ihrer Schwiegermutter
bezüglich klingonischer Vermählungstraditionen anein-ander.
Daneben werden wir Zeuge zweier Hochzeiten. Leeta und Rom heiraten
in kleinem Kreis der Familie, Jadzia und Worf dagegen geben sich
nach einer prunk-vollen Zeremonie im Quarks das Jawort. Allerdings
fließen tragische Ereignisse in diese Ehe mit ein. Denn Worf
wird noch im selben Jahr vom Schicksal hart getroffen, als er erneut
seine Frau durch einen Mord verliert. Wir erinnern uns: In "Star
Trek: The Next Generation" wird K'Ehleyr, die Mutter des gemeinsamen
Sohnes Alexander, von Duras wegen Spionage getötet.
|
|
|
|
 |
|
|
|
Die O'Briens: Keiko und Miles Edward |
|
|
|
|
|
Für Benjamin Sisko gibt es ebenfalls romantische Augenblicke,
nachdem er im Spiegeluniversum seiner verstorbenen Frau Jennifer wiederbegegnet
oder von seinem eigenen Sohn mit Kasidy Yates verkuppelt wird. Was Sisko
jedoch zunächst nicht weiß ist, dass seine neue Angebetete
für den Maquis arbeitet und dies auch zuerst nicht glauben will,
als sich immer mehr Indizien zu erhärten begannen. Doch Yates steht
zu ihren Taten und verbüßt ihre Strafe in einem Strafgefangenenlager
der Föderation. Letztlich aber heirateten auch diese beide Figuren
und Kasidy wurde sogar schwanger.
Im Großen und Ganzen wurde es für
jede der Hauptfiguren von Zeit zu Zeit romantisch an Bord
von DS9. Und alle Liebschaften, alle Beziehungen waren von
der einen oder anderen Tragik geprägt: Kira, die Vedek
Bareill auf dessen
Eigenverschulden verliert. Quark, der durch einen Unfall kurzerhand
mit einer klingonischen Kriegerin verheiratet wird (wobei
diese Ehe nur von sehr kurzer Dauer ist). Jake, der sich in
ein bajoranisches Dabomädchen verliebt, sie ihn aber
sitzen lässt. Julian Bashir, dessen Liebe zu Jadzia Dax
unerwidert blieb, sie aber mit Ezri Dax für sich gewinnen
kann. Und Odos Zu-neigung zu Major Kira, die ihn zu einer
Protokollverletzung veranlässt oder gar eine ganze Kultur
auslöschen ließ, nur um ihr Leben zu retten. Viel
wichtiger ist jedoch, dass diese Zuneigung seine Verbundenheit
gegenüber den Solids festigte.
|
| |
|
04. Die Wunden der Besetzung
In "Star Trek: Deep Space Nine" konzentriert
sich die Handlung am Anfang überwiegend auf die Bajoraner, dessen
System nach einem Friedensvertrag zwischen Erde und Cardassia in das Terri-torium
der Vereinigten Föderation gefallen war. Von Beginn der ersten Stunde
an, wurden wir mit den Wunden der cardassianischen Besetzung konfrontiert,
die auf Bajor entstanden waren.
|
|
Kira, die sich zunächst gegen die
Hilfe der Sternenflotte sträubt, muss im Laufe
der Zeit und den angestrengten Versöhnungsprozessen
zwischen ihrer Heimatwelt und Cardassia immer wieder
Gerechtigkeit und Mitleid nach-denken. Doch dem einstigen
Peiniger Gul Dukat gegenüber empfindet sie nach
wie vor Zorn und Verachtung. Dennoch ist sie bestrebt
ihre Brutalität aus der Zeit des Widerstands hinter
sich zu lassen und sich weiterzuentwickeln.
Und obwohl sie Dukat all die Jahre nicht ausstehen kann,
schafft sie für seine Tochter Ziyal ein neues Zuhause.
Wohl weil sie gelernt hat, denjenigen Gerechtigkeit
zugeben, denen Grausamkeiten
widerfahren sind. Daneben lernt Kira die Werte der Vereinigten
Föderation schätzen und findet in Captain
Sisko einen Freund, den sie respektiert und letztlich
als den Abgesandten der Propheten akzeptiert.
Mit Dukat dagegen lernen wir einen Eroberer kennen,
der von einem komplexen, psychologischen Profil geprägt wird.
Auf der einen Seite rechtfertigt er seine Grausamkeiten gegenüber
den Bajoranern, indem er ihre Menschlichkeit abspricht. Zur anderen
wünscht er sich deren Bewunder-ung, einschließlich die
Siskos, für ihn und glaubt sogar, dass er stets in guten Absichten
gehandelt habe.
|
|
|
|
 |
|
|
|
Der Cardassianer Gul Dukat |
|
|
|
|
|
Doch in Wirklichkeit hatte Dukat nichts als Verachtung
gegenüber den Bajoranern übrig. Letztlich führt dies bei
ihm zur einer Wandlung von einem Gegner zum Verbündeten und wieder
zu einem Feind bis hin zum bösartigen Wahnsinnigen, der sich dann
auch noch mit den dunklen Seiten einer Religion beschäftigt, für
die er nie etwas übrig hatte.
|
| |
|
05. Der ganz "normale" Alltag
"Star Trek: Deep Space Nine" zeugt von einer
Vielzahl an gesellschaftlichen, emotionalen und politi-schen Themen, die
in den anderen Serien des Franchise kaum oder wesentlich kürzer behandelt
wurden, als hier. Die zum Teil kritisierenden Folgen lassen sich zudem
gut auf unsere eigene Realität übertragen; wobei die entsprechenden
Episoden natürlich auf das "Star Trek" - Universum ausgelegt
sind.
Unter anderem behandelt man im Laufe der sieben
Jahre Themen, wie:
- Den Teufelskreis zwischen Gewalt und Gegengewalt ("Die
Prophezeiung")
- Glaube kontra Wissenschaft ("Blasphemie")
- Ausgestoßene Kriegswaisen ("Die Konspiration")
- Behinderungen in der Gesellschaft ("Das Melora'-Problem")
- Selbstjustiz oder Terrorismus? ("Der Maquis")
- Drogenkonsum bei Lebensfrust ("Das Implantat")
- Konsequenzen eines totalen Überwachungsstaates ("Das
Tribunal")
- Identitätskonflikte ("Defiant")
- Anprangerung von Massenverarmung und -obdachlosigkeit ("Gefangen
in der Vergangenheit")
- Frauenrechte in der
Gesellschaft ("Familienangelegenheiten")
- Konflikte bei Hilfeleistung gegenüber einem Feind ("Der
Hippokratische Eid")
- Ängste und ihre Wirkung ("Die Schlacht um Ajilon
Prime")
- Genetik am Menschen ("Dr. Bashirs Geheimnis")
- Massenvernichtungswaffen, Gewissenslosigkeit, Völkermord
("Das Kriegsgeschäft")
- Idealismus, Pragmatismus ("Die Entscheidung")
- Rassismus, Vorurteile, Diskriminierung ("Jenseits der
Sterne")
- Moral und Ehrgefühl kontra Verzweiflung und Lüge
("Im fahlem Mondlicht")
- Veränderung des Menschen durch Krieg ("Die Belagerung
von AR-558")
- Realitätsverlust ("Leben in der Holosuite")
- Verfassungsfeindliche Mittel in Kriegszeiten ("Unter
den Waffen schweigen lautlos die Gesetze")
Die verschiedensten Themen sind zudem kontrovers, menschlich
und recht alltagsnah. Des Weiteren erreicht die Serie mit der Vielschichtigkeit
und Komplexität seiner Handlungsstränge, insbesondere zu den
Kriegsepisoden, ein ausgewogenes Verhältnis und bringt unter anderem
auch mit den "Spiegelepisoden" gute Unterhaltung, sowie Abwechslung
in das Geschehen ein.
Gerade das Strickmuster der Episoden von "Star Trek: Deep Space Nine"
und die durchaus nach-denklich machenden Handlungen tragen zu der Essenz
bei, die "Star Trek" seit je her ausgemacht hat.
|
| |
|
06. Der Krieg: "Star Trek"
auf Abwegen?
Dass das Dominion einmal nicht ganz unbedeutend für
die Serie werden würde, konnte man mit der ersten geheimnisumhüllten
Nennung in der zwölften Episode ("Der Steinwandler") erahnen
und spätestens mit dem Ende der zweiten Staffel ("Der Plan des
Dominions") erkennen. Mit Beginn der dritten Staffel rückte
dann der Handlungsstrang über das Dominion zunehmend in den Vordergrund,
indem man es unberechenbar und gleichzeitig gefährlich erscheinen
ließ. Zusätzlich weitete man die Abenteuer von Captain Benjamin
Sisko und seiner Crew aus, indem man die Geschichten der Raum-station
auf ein neuartiges Föderationsraumschiff, das fortan zur Serie dazugehören
sollte, aus-lagerte.
|
|
Natürlich spielen auch die
Quoten einer Serie eine nicht ganz unbedeutende
Rolle, was sich unter anderem auch auf ein Autorenteam
oder den Verlauf der Handlungen aus-wirkt. Da
die Ergebnisse der dritten Staffel nicht deutlich
besser ausfielen, als die der beiden vorangegangenen,
holte man sich ein bekanntes
Gesicht an Bord, von dem man hoffte, dass es eine
Wende der Serie bewirkend könnte. Aufgrund
der aktuellen Ereignisse mit den Klingonen und
der gerade in "Star Trek: Treffen der Generationen"
zer-störten USS Enterprise-D, was in Bezug
auf die Kontinuität in die dritte Staffel
von DS9 fällt, fiel die Entscheidung auf
Worf.
Mit dem Ausbruch des Krieges zwischen
der Vereinigten Föderation und dem Klingonischen
Reich bzw. dem Dominion schlugen die Macher von
"Deep Space Nine" dann letztlich eine
völlig neue Richtung ein. Eine Richtung,
die im Vergleich zum bisherigen Strickmuster von
"Star Trek" sehr untypisch war. Denn
Roddenberrys Botschaft war stets ein Universum
zu zeigen, indem die Menschen ihre heutigen Probleme
und Konflikte weit hinter sich ge-lassen hatten
und vielmehr in friedlicher Koexistenz auf bestimmte
Ziele und Bestrebungen hinarbeiteten; gemein-sam
und ungeachtet von unterschiedlicher Hautfarbe,
Spezies oder Glaubensrichtung. Vor allem die Vereinigte
Föderation der Planeten veranschaulichte
dies in Form eines großen, intergalaktischen
Bündnisses. Die Menschen reisten durch den
Weltraum, um neues Leben und neue Welten kennenzulernen.
Wissenschaft und Forschung standen stets genauso
im Vordergrund, wie Konflikte friedlich zu lösen
und Kriege zu vermeiden, auch wenn kurzzeitig
die Sternenflotte als militärische Macht
eingreifen musste.
In "Star Trek: Deep Space
Nine" dagegen schien der durchaus dunkle
und blutige Krieg mit dem Dominion der Botschaft
Roddenberrys zu widersprechen. Setzten die Macher
jetzt vollends auf scheinbar banale Action, ver-knüpft
mit großen Raumschlachten und blutigen Ausein-andersetzungen,
um die Fans "an der Stange" zu halten?
Immerhin sind die beiden letzten Staffeln die
düstersten und actionlastigsten der gesamten
Serie, wenn nicht sogar des bisherigen gesamten
"Star Trek" - Universums.
Doch der Ausbruch der beiden Kriege in "Star
Trek: Deep Space Nine" hat das
Wesen bzw. den Charakter der Serie selbst nicht
negativ verändert; trotz der rasanten Zunahme
an Action. Denn zwischen all den Konflikten und
Ausein-andersetzungen gibt es in DS9 nach wie
vor bis zum Finale Episoden, die einen tieferen
Sinn verfolgen und die Zu-schauer nicht nur zur
Unterhaltung dienen, sondern ihn auch zum tieferen
Nachdenken anregen oder emotional bewegen sollen.
So untypisch der Krieg auch für das "Star
Trek" - Univer-sum sein mag, so typisch sind
die mehr als 50 Episoden, die sich mit einer für
"Star Trek" ebenfalls typischen Bot-schaft
über die gesamte dritte Serie verteilen.
Selbst die düstersten Folgen wollen nicht
nur als "sinnloses Ge-mätzel" verstanden
werden, sondern auch zeigen, warum es sinnlos
ist - was wiederum auch eine direkte Verbindung
zu den weltweit herrschenden Konflikten und Kriegen
herstellt.
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
Die tarnfähige U.S.S. Defiant |
|
|
|
 |
|
|
|
Worf wird zum festen Mitglied der Stationscrew |
|
|
|
 |
|
|
|
Nog verliert im Krieg gegen das Dominion ein
Bein |
|
|
|
|
|
Das dem so ist beweisen unter anderem Episoden
wie "Der Hippokratische Eid", "Die Schlacht
um Ajilon Prime" und "Die Belagerung von AR-558";
nur um einen kleinen Teil davon zu nennen. Näher eingehen
möchte ich in diesem Zusammenhang besonders auf "Die
Belagerung von AR-558", die wohl blutigste Episode des
gesamten "Star Trek" - Universums. Auch wenn diese
Folge scheinbar in einem reinen Blut-bad zu enden scheint,
so will sie, wie die beiden anderen hier genannten Folgen
auch, veranschaulichen, wie ein
Krieg sich auf die einzelnen Individuen auswirkt. Wie sie
sich dadurch verändern, welche Ängste sie begleiten
und welche Emotionen sie durchleben.
"Die Belagerung von AR-558" entstand dabei unter
anderem aus den berühmten Antikriegsfilmen wie "Hamburger
Hill", Apocalypse Now", "Good Mornig, Vietnam"
oder "Full Metal Jacket", die als Pate für
diese DS9-Episode gestanden haben. So wohl in jenen Filmen
als auch in dieser düsteren Folge wird der Krieg als
verzehrendes Moloch geschildert, der die beteiligten Menschen
auf ihre niedrigsten Beweggründe reduziert und diese
letztlich zerstört.
Nog beispielsweise muss mit dem Verlust eines
Beins fertig werden, welches er im Kampf gegen die Jem'Hadar
auf AR-558 verliert. Dies stürzt ihn ein eine Lebenskrise
und droht ihn psychisch zu zer-stören, worauf sich der
einst so stolze Ferengijunge in eine Traumwelt zurückzuziehen
und von seiner Außenwelt auszugrenzen beginnt. Ebenso
ergreift er die Flucht vor seinen Pflichten, weil der Verlust
seiner eigenen Verantwortung zuviel für ihn
geworden ist. Erst mit der Hilfe seiner Freunde gelingt es
ihm, wieder im Leben Fuß zufassen und sich zuresozialisieren.
Jake dagegen entdeckt in der Konfrontation der Föderation
mit den Klingonen die wahren Schrecken des Krieges... und
seine eigene Feigheit, worauf er im Eifer des Gefechts kurzerhand
Julian im Stich lässt.
Andererseits beweist Jake Mut und Courage, als er seine Erlebnisse
niederschreibt und mit sich selbst und seiner bisherigen Lebenseinstellung,
sowie seinen Gefühlen hart ins Gericht geht.
Odo, Worf und Garak wiederum drohen an ihren eigenen Loyalitäten
zu zerbrechen, als sie sich jeweils zwischen den Fronten ihrer eigenen
Spezies und dem Volk, in dem sie ihre Heimat gefunden haben, sehen.
Und der zuweilen geldgierige Quark erkennt, dass der Verkauf von Waffen
unmoralisch und alles andere als ein Kavaliersdelikt ist. Ebenso erträgt
er mit der Zeit die zermürbende Besetzung von DS9 durch das Dominion
nicht mehr und beginnt sich über die Jem'Hadar zu beschweren.
|
| |
|
07. Unter den Waffen schweigen
lautlos die Gesetze
In "Star Trek: Deep Space Nine" lernen
wir eine neue Seite der Vereinigten Föderation kennen.
So kann man sich beispielsweise fragen, welche Schuld sie
an den Kriegen mit den Klingonen oder dem Dominion trägt.
In den anderen Serien des Franchise hatte die Föderation
stets einen makellosen, soliden, friedfertigen und nahezu
fehlerfreien Auftritt, der in "Star Trek: Deep Space
Nine" jedoch stark angekratzt wird. So ignoriert sie
die blutige Warnung des Dominions am Ende der zweiten Staffel
und schickt Sisko statt dessen ein tarnfähiges Kriegsschiff
nach DS9, mit dem er den fernen Gamma-Quadranten weiter erforschen
soll.
Während des Krieges sieht die Föderation zusätzlich
über die moralischen Grundsätze und die Prinzipien
hinweg, unterstützt sogar inoffiziell die Aktionen der
autonomen Sektion 31 (da der Zweck die Mittel heiligt), distanziert
sich aber von ihr, als diese für sie selbst unangenehm
wird.
Selbst die Offiziere der Sternenflotte
greifen zu unkonven-tionellen Mitteln in dem die
Romulaner auf "romulanischer" Weise
mit in den Krieg gezogen werden - wozu allerdings
erst ein Senator sein Leben lassen musste. Die
ruhige Darstellung von "In fahlem Mondlicht"
zeigt zu welchen Mitteln ein Mensch greifen
kann, wenn er sich am Rande der Verzweiflung befindet.
Zwar ist Sisko außer sich, dass Garak den
romulanischen Senator zur Strecke bringt, aber
als sich letztlich das eigentliche Ziel erfüllt,
kommt Sisko zu dem Entschluss, dass seine eigenen
Schuldgefühle nur ein kleiner Preis für
die Aussicht auf den Sieg darstellen.
Manchmal macht ein Krieg Entscheidungen zwischen
Gerechtigkeit bzw. dem eigenen Idealismus und der Zweckmäßigkeit
unvermeidlich. Vor allem wenn es nicht um ein einzelnen Schiff,
sondern um das Schicksal zweier Quadranten und Milliarden
von Lebewesen geht.
Während Sisko sich im Krieg oftmals in Konfrontation
seiner eigenen Ideale sieht, nähert sich Kira diesem
Thema von der Seite der Zweckmäßigkeit.
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
Odo mit dem Vorta Weyoun |
|
|
|
 |
|
|
|
Spion aus Leidenschaft: Elim Garak |
|
|
|
|
|
Ihrem Idealismus musste sie im Zeit des Widerstandes oftmals
den Rücken kehren, wenn sie gegen die Cardassianer vorging. Doch
auch sie stößt dabei immer wieder an innerliche Grenzen und
ihr Gewissen und ihre Ehre Oberhand über ihr Handeln gewinnt. So
kann sie sich beispielsweise in "Tiefstes Unrecht" nicht dazu
durchringen einen Plan in die Tat umzusetzen, der einen Mord an ihrer
Mutter und dem verachteten Unterdrücker Dukat vorsah. Statt dessen
rettet sie beiden das Leben.
|
| |
|
08. Von der Abwesenheit der Obersten
Direktive und der Logik
Eines der wichtigsten Dinge, die seit je her immer eine
tragende Rolle im "Star Trek" - Universum gespielt hat und auch
in "Star Trek: Voyager" stets aufgegriffen wurde, ist die Oberste
Direktive. Eine Anweisung, die gezielt vor der Einmischung der Sternenflotte
oder der Vereinigten Föderation in die natürliche Entwicklung
einer Gesellschaft oder deren innenpolitischen Angelegenheiten schützen
soll. Vor allem, wenn diese evolutionär gesehen noch nicht so weit
entwickelt waren, wie die Föderation.
Doch in der von Kriegen heimgesuchten Serie "Star Trek: Deep Space
Nine" war im Gegensatz zu den anderen Serien kein Platz für
die Oberste Direktive. Welten, die vom Krieg betroffen waren, ver- änderten
sich zwangsläufig. Egal auf welcher evolutionären Stufe sie
sich befanden.
"Star Trek: Deep Space Nine" fällt
zudem aus der Rolle, da sie die einzige Serie ist, der ein
"Spock"- artiger Charakter fehlt, was ihr hinsichtlich
der vier anderen Serien jedoch keinesfalls negativ anzukreiden
ist. Dadurch fehlt jedoch
der klassische Plot "Logik kontra Emotionen" bzw.
"Mensch kontra Maschine". Während in den anderen
Serien nach TOS diese "Lücke" durch den Androiden
Data, dem MHN der USS Voyager, Seven of Nine, Tuvok und T'Pol
geschlossen wird, die sich alle mit diesen beiden Themen auseinander
gesetzt haben, treffen wir in DS9 auf Odo - einem Außen-seiter,
der weder eine Maschine, noch ein logisch denkender Vulkanier
ist. Bedingt durch seine Andersartigkeit befindet er sich
auf einer Reise der Selbstfindung, die sich vielmehr um eine
funda-mentale menschliche Frage dreht: nämlich um die
Frage der eigenen Existenz und dem Platz im Universum.
|
| |
|
09. Das, was "Deep
Space Nine" zurücklässt
Keine andere Serie des Franchise
hat die Charaktere bzw. Figuren so sehr untereinander
verändert, wie "Star Trek: Deep Space
Nine". Am Anfang war durch die politischen
und religiösen Situationen auf Bajor, sowie
der beiläufigen Nennung des Dominions kaum
etwas davon zu spüren. Doch durch die Einbringung
des Maquis und dem bedroh-lichen wirkenden Aufbau
der Aura
um das Dominion beginnt sich der Fortlauf der
Serie langsam zu verändern und immer schneller
zu werden, nachdem Spannungen zwischen den Cardassianern,
den Klingonen, der Föderation und den Jem'Hadar
entstehen.
Vor allem die Ereignisse in "Zu den Waffen!"
bestimmen die Rückschläge und Richtungswechsel,
die den Rest der Serie durchziehen.
Weitaus wichtiger für die Serie ist aber
vor allem die Art und Weise, wie man die Charaktere im Laufe
der Serie entwickeln ließ, wie sie sich durch die verschiedensten
Ereignisse verändert haben und wie sie Probleme bewältigten
bzw. lösten. Denn auch wir verändern uns ständig.
Zudem vermittelt "Star Trek: Deep Space Nine" Emotionen,
mit denen wir uns identifizieren, sie teilen oder mit den
einzelnen Figuren im Laufe der einzelnen Geschichten miterleben
können:
Nog und Jake haben als Kinder zunächst
nur Unsinn im Kopf, erlangen aber mit dem Erwachsenwerden
Verant-wortungsbewusstsein im Umgang mit den von ihnen gewählten
Karrieren. Nog entscheidet sich für die Sternen-flotte,
da ihm die Angst im Ferengileben einmal genauso zu versagen
wie sein Vater schwer zu schaffen macht, während Jake
sich für ein Leben als Schriftsteller ent-scheidet.
Rom und Quark haben durchaus heldenhafte Eigenschaften im
Verlauf der Serie unter Beweis gestellt, was vor allem im
Nachhinein zwischen der Hassliebe von Quark und Odo zu beidseitigem
Respekt und Wertschätzung geführt hat.
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
Nur sechs Jahre dabei: Jadzia Dax |
|
|
|
 |
|
|
|
Die Crew um Captain Sisko, 2375 |
|
|
|
|
|
Miles O'Brien schließt letztlich eine
sehr enge Freundschaft Julian Bashir; einem Mann, den er zu-nächst
auf den Tod nicht ausstehen konnte. Garak dagegen hat im Laufe
der Serie nach und nach gelernt über sich hinauszuwachsen,
zu anderen vertrauen zu fassen, selbst vertrauenswürdig
zu sein und die Taten seiner einst gewissenlosen, mysteriösen
Agentenfassade moralisch zu hinterfragen. So bereut er es
beispielsweise zutiefst, dass
er Odo seiner Foltermethoden ausgesetzt oder einem Angehörigen
der Sternenflotte auf Empok Nor das Leben genommen hatte.
Odo wiederum hat unter anderem gelernt, vertrauen zu dem Mann
zu fassen, den er aufgrund seiner Vergangenheit in dem bajoranischen
Labor verabscheute. Kiras Stärke, die sie anfangs in
innerlicher Aggressivität ausdrückte, formte sich
zu einem rationalem Selbstbewusstsein. Und der Tod der abenteuerlustigen
und humorvollen Jadzia Dax erinnert uns mehr oder weniger
daran, dass auch für eine Fernsehserie und ihre Figuren
einmal das Ende kommt.
|
| |
| Fotos: siehe
Impressum
[F04][F05][F07] |
|