"Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer…" Ein Satz, wie er wohl legendärer nicht sein könnte. Doch so unendlich die Weiten auch sein mögen, so stellt sich die Frage: Kann man etwas "unendlich lang" produzieren? Vor allem, wenn man eine Saga fortführen möchte, die bereits fünf Serien und zehn Kinofilme enthält und ohnehin schon vieles an Geschichten abdeckt? Generell kann man diese Antwort mit "Ja" beantworten, sofern dafür bestimmte Voraussetzungen gegeben sind.

Dieser Bericht beleuchtet den neuen Film und beschäftigt sich mit der Frage, ob das neue Star Trek noch Star Trek ist und wie sich das elfte Leinwandabenteuer in das gesamte Konstrukt "Star Trek" einfügt. An dieser Stelle möchte ich jedoch erwähnen, dass diese Review nicht auf alle Einzelheiten eingehen wird und zudem trotz neutraler Schreibweise meine eigene Sichtweise wiedergibt. Sie repräsentiert nicht die Meinung anderer in der Fangemeinde.

 

Das Warten hat ein Ende

Vier Jahre sind seit dem Ende von "Star Trek: Enterprise" vergangen. Vier Jahre, in denen es kein neues Abenteuer im Trek-Universum mehr gab. Das Warten hat endlich ein Ende. Einige sagen, dass die vier Jahre viel zu kurz gewesen seien, um sich kreativ neu zu ordnen. Zumindest aber hat Rick Berman den Platz des ausführenden Produzenten geräumt. Für viele eine gute Nachricht. Doch neue Skepsis macht sich breit, nachdem zu hören war, dass man den Hollywood-Regisseur Jeffrey Jacob Abrams für das elfte Leinwandabenteuer engagiert hat.

Monate und Wochen vor dem Start von "Star Trek" wurde teilweise heftig darüber debattiert, ob er als Trek-unerfahrener wirklich für den Posten geeignet sei. Besonders seit Manny Coto als ausführender Produzent Star Trek neues Leben eingehaucht und in altem Glanz erstrahlen ließ. Und doch haben es die beiden Trailer im Vorfeld geschafft, den angepriesenen Neubeginn von Star Trek schmackhaft zu machen. Zwar haben diese Werbemittel sehr viel Action dargeboten (ohnehin bemerkenswert, in welchem Maße Paramount seine Werbemaschinerie für den neuen Film angekurbelt hat), aber für die Leinwandabenteuer von Star Trek wäre das weder etwas Neues, noch etwas völlig befremdliches gewesen.
"Star Trek II: Der Zorn des Khan" oder "Star Trek: Der erste Kontakt" beispielsweise bedienten sich ihrerseits schon diesem Element. Allerdings vermochten es beide erfolgreich mit den Elementen "Story" und "Trek-Atmosphäre" zu kombinieren.

Wie dem auch sei: Der neue Film hat es definitiv geschafft, Spannung aufzubauen. Erwartungen? Die gab es definitiv. Aber nach "Star Trek: Enterprise" und "Star Trek: Nemesis" wollte sie sich dieses Mal in Grenzen halten - vermutlich damit eine mögliche Enttäuschung nicht zu groß ausfallen würde.

Endlich ist es soweit. Das Kino ist vollbesetzt. Allerdings sieht man sich noch einem Wechselbad der Gefühle ausgeliefert. Einerseits überwiegt die Freude, dass mit dem neuen Film endlich die langersehnte "Wende" geschafft wird. Andererseits wäre es gelogen zu behaupten, es würde sich nicht nach wie vor eine Skepsis halten. Zumal man noch acht Jahre zuvor ein Star Trek schaffen wollte, das genau ohne diesen Titel auskommen sollte. Damals befürchtete man, dass eine neue Zielgruppe nur schwer oder gar nicht erreicht würde.

Das "ENT-Projekt" sollte jedoch ein breites Spektrum an Zuschauern mobilisieren. Für den neuen Film fungiert der Titel "Star Trek" dagegen wieder als Zugpferd. Letztlich aber nur logisch, denn dieses Mal kehrt man zu einer Crew zurück, die zur wohl kultigsten Serie der ganzen Saga gehört.

 

Die Reise in eine neue Ära beginnt

Der Vorhang schließt sich. Der Film ist vorbei. Die Reise in eine neue Ära hat begonnen. Oder doch nicht? Eine neue Ära hat in "Star Trek" sicherlich begonnen. Wenn auch anders, als erwartet.

Besonders bitter aufgestoßen sind der Tod von Amanda Grayson sowie die Vernichtung des Planeten Vulkans. Einer der Orte, der erstens zu den fünf Gründungswelten der Vereinigten Föderation gehört und zweitens eine fundamentale Rolle innerhalb Star Treks gespielt hat und dessen Einfluss und Tragweite auf die verschiedensten Filme und Episoden mehr wie bestimmend war. Darüber hinaus trifft man auf einen greisen Spock, der scheinbar diese massive Veränderung in der Zeitlinie einfach hinzunehmen scheint.

Er unternimmt keinerlei Versuche, diese wiederherzustellen bzw. zu korrigieren - was man aber gerade in dieser Situation irgendwie von ihm erwartet hätte. Stattdessen kommt es am Ende des Films zu einem Epilog zwischen Spock und seinem jüngeren Ego, bei dem er diesen für diese neue Zukunft zu ermuntern versucht. Dabei stellt sich die Frage, ob man damit indirekt den Fans des Franchise eine Botschaft übermitteln wollte. Nämlich sich ebenfalls für diese Veränderung zu öffnen und mutiger in das neue, unentdeckte Land vorzustoßen.

Leonard Nimoy im Film mitwirken zu lassen, war einerseits sicherlich eine schöne Geste. Andererseits hatte es aber auch einen gezielten strategischen Hintergrund im Hinblick auf die bereits vorhandene Fangemeinde und sollte zudem ebenfalls als Zugpferd fungieren.
Doch letztlich stört seine Integration das Konzept eines Neubeginns und einer parallelen Zeitlinie, welche ohne sein Einwirken deutlich plausibler und letztlich auch leichter zu akzeptieren gewesen wäre. Aber alleine schon bezüglich der Tatsache, dass er von der Veränderung in der Zeitlinie weiß, entsteht im Nachhinein sogar das Gefühl, dass das "alte" Star Trek fortan an Bedeutung verliert, da es ja nicht mehr so geschehen werden wird, wie es bis dato produziert wurde.

Die Zerstörung Vulkans eröffnet aber auch gleichzeitig den Produzenten und Autoren ganz neue Möglichkeiten für die künftige Erzählweise des Trek-Universums. Gänzlich ändern werden sich die Gegebenheiten wohl nicht, aber gewisse Handlungen und Ereignisse werden nun einen anderen Verlauf nehmen, als den, den man aufgrund der bereits vorhandenen Serien kannte. Die Frage bleibt nur, kann man damit auf Dauer eine große Fangemeinde etablieren bzw. halten?

 

Die Essenz einer Saga

Schaut man sich heute die originale Serie an, so wird man in vielerlei Hinsicht schnell feststellen, dass sie mit ihrer "Hau drauf"-Mentalität, den überdrehten Handlungssträngen und den einfachen Dialogen Elemente enthält, die man in diesem Film wieder aufgegriffen und integriert hat. Seinerzeit war diese Strickart unter anderem eine Folge des Einflusses der beliebten Wildwest-Sendungen und bildeten zugleich ein Stilmittel, welches den Unterhaltungswert von TOS steigern sollte.

Daneben wurde die Handlung über 79 Episoden mit einem einzigartigen und unverwechselbaren Humor inklusive der dazugehörigen Stichelleien zwischen den drei dominantesten Figuren (Kirk, Spock und McCoy) aufgelockert - eine klassische und auszeichnende TOS-Eigenschaft, die man ebenfalls in dem neuen Film vorfindet und die sehr gut integriert wurde. Vor allem, da die neuen und jungen Darsteller ihre alten und legendären Charaktere im Großen und Ganzen gut verkörpern und diese sprichwörtlich zu neuem Leben erwecken.

Wer jedoch mit diesem Konstrukt im neuen Film anecken sollte, dem sei die originale Serie ans Herz gelegt, in der diese Gegebenheiten ihren Ursprung finden.

Allerdings verfügte schon die klassische Serie neben den reinen, auf Unterhaltung ausgelegten Eigenschaften über ein gutes Maß an moralischem Anspruch und einem kritisierenden, hinterfragenden Charakter. Dieser wiederum zeigte dem Zuschauer Lösungen zur Konfliktbewältigung beziehungsweise friedliche Koexistenz und greift gegenwärtige, brisante Themen der Gesellschaft auf, die indirekt oder sogar offen in Frage gestellt bzw. auf das Schärfste verurteilt werden.
Dadurch wird dem Zuschauer eine Botschaft sowie eine positive Wertevorstellung im Umgang mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen zu vermitteln versucht; wenngleich auf 60er-Jahre-Niveau.

Der Name Gene Roddenberrys wird heute in einem Atemzug mit Begriffen wie "Visionär" oder "Genie" genannt. Ein Visionär war er jedoch nicht. Eher eine geniale Persönlichkeit, die den Geist und die Sehnsüchte der Menschen getroffen hat. Menschen, die nach dem Schrecken zweier großer Weltkriege und der ständig drohenden Eskalation zwischen den USA und der Sowjetunion von einer freien und friedlichen Zukunft träumten. Star Trek ließ als Science-Fiction-Serie diesen Zeitgeist visuell sichtbar werden.

Ein Geist, den sowohl die originale Serie, "Star Trek: The Next Generation" und besonders "Star Trek: Deep Space Nine" durch deren Essenz und Konstruktion visuell verkörpern und besonders den zweiten und dritten Ableger des Originals zu den erfolgreichsten Serien im Genre avancieren ließ.

Diese tiefgreifende Tragweite sucht man im elften Leinwandabenteuer jedoch vergebens. Gut, hier kann man sicherlich dagegenhalten, dass die Filme der Saga allesamt überwiegend auf die einfache Unterhaltung ausgelegt waren. Schaut man sich aber "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart" oder "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" an, so wird bewusst, dass man den Grundgedanken von Star Trek auch in eine Komödienversion oder in ein spannendes und actionreiches Abenteuer integrieren kann, mit denen man trotzdem eine Vielzahl an Zuschauern anspricht.

Nicht unerwähnt sollte auch die Tatsache bleiben, dass diese Eigenschaft ohnehin aufgrund der Übersättigung Star Trek Ende der 90-er und Anfang der 2000-er Jahre zunehmend verloren ging. Dennoch ist es eine Eigenschaft, die Star Trek stets von anderen Science-Fiction-Serien hervorgehoben und einen ganz eigenen, auszeichnenden Charakter verliehen hat.

 
Was am Ende übrig bleibt

Insgesamt macht "Star Trek" einen alles in allem guten und sehenswerten Eindruck, wenn auch mit kleinen und größeren Schwächen - beispielsweise das Fehlen eines klassischen Maschinenraums mit Warpkern. Besonders, da es sich hierbei um einen wichtigen Bestandteil handelt, der vor allem zu Zeiten der NX-Klasse einen technologischen und historischen Meilenstein in einer modernen, raumfahrenden Menschheit und deren Sternenflotte bildete. Weshalb dieser Rohrleitungen, Kompressoren und ähnlichen maritimen Gerätschaften weichen musste, entzieht sich letztlich dann doch jeglicher Sinnhaftigkeit. Zumal ENT vor "Star Trek" angesiedelt ist.

Die Blütezeit von Star Trek ist jedoch definitiv vorbei. Eine Zeit, in der eine Serie wie "Star Trek: The Next Generation" von Jahr zu Jahr mehr und mehr Menschen bewegte und schließlich bis ins Finale mit rund 15 Millionen Fernsehzuschauern trumpfte. Von diesem Erfolg beflügelt, kam es zu einer Überproduktion, die eine Sättigung des Star-Trek-Bedarfs zur Folge hatte, was sich unter anderem auf das Sinken von Quoten auswirkte und die darauffolgende Entwicklung Star Treks maßgeblich beeinflusste beziehungsweise in die heutigen Bahnen lenkte. Allerdings ist dies ein Thema, dass für die ausführliche Beschreibung der Ursachen, Hintergründe und Einzelheiten ein gesondertes Werk füllen würde, weshalb nun hier nicht näher darauf eingegangen wird.

 

Unabhängig macht es dennoch Spaß, den neuen Film zuzuschauen, zumal er durch diverse Gegebenheiten TOS-talgische Gefühle wiederaufleben lässt. Für normale Zuschauer und Fans ist der Film gleichermaßen ein spannendes Kinoerlebnis, sofern man es mit dessen Gegebenheiten insgesamt nicht all zu ernst nimmt. Und letztlich sollte man Star Trek auch nicht all zu ernst nehmen. Mich zumindest hat "Star Trek" trotzallem durchweg gut unterhalten und immerhin nahezu bis zum Ende auf die Rettung Vulkans hoffen lassen.

Zudem bietet das elfte Leinwandabenteuer eine Vielzahl netter Anspielungen auf das bisherige Trek-Universum, die gerade für die Kenner unter den Fans einige Nettigkeiten bieten. Darüberhinaus ist die Trek-Komplexität in Form von Fachbegriffen und Ausdrucksweisen, wie sie beispielsweise in "Star Trek: Voyager" auftritt, deutlich reduziert worden, was das Zuschauen an sich lockerer gestaltet. Insgesamt erhält der Film 4 von maximal 5 Sternen.

Ob sich dieses neue Star Trek jedoch als das Star Trek behauptet, dass man in all den Jahren zu schätzen gelernt hat, muss es mit nachfolgenden Produktionen und Fortführungen erst noch unter Beweis stellen. Erst dann kann man ein endgültiges Urteil darüber fällen. Ein einzelner Film kann zwar die Richtung vorgeben, aber sich letztlich nicht so entfalten, wie das einer Serie über mehrere Staffeln möglich ist. Daher bleibt nun abzuwarten, in welcher Weise sich diese neue Reise entwickeln wird. Zumindest werden wir mutig dorthin gehen, wo noch kein Trekkie zuvor gewesen ist.

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Fotos: siehe Impressum [F07]
 

(© by K. Breit, 2009)

Letztes Update: 06.06.2009

 
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